Mehltau bei Cannabis: erkennen, bekämpfen und vorbeugen
Weißer, mehliger Belag auf den Blättern ist eines der häufigsten Probleme im Grow und eines der am häufigsten falsch behandelten. Die ehrliche Wahrheit zuerst: Mehltau ist kein Düngerproblem, mehr Nährstoffe helfen nicht. Und sitzt der Belag erst auf der Blüte, holt ihn kein Spray mehr sauber heraus. Der Hebel liegt früher: schnell erkennen, Klima korrigieren, Ausbreitung stoppen.
Was Mehltau bei Cannabis ist
Echter Mehltau wird bei Cannabis von Pilzen der Gattung Golovinomyces verursacht. In kanadischen Produktionsanlagen wurde der Erreger als Golovinomyces cichoracearum sensu lato bestimmt. Die sichere Abgrenzung zu nahe verwandten Arten wie G. ambrosiae gelingt über die übliche ITS-Region allein nicht. Für die Praxis ändert das nichts: Symptombild und Gegenmaßnahmen sind dieselben.
In einer Bestandsaufnahme kommerzieller Anlagen war Mehltau der wichtigste Erreger am Laub und in den meisten untersuchten Betrieben vorhanden; in der aktuellen Übersicht zählt er zu den wichtigsten Krankheiten der Cannabisproduktion überhaupt. Befallen werden Blätter, Stiele und in der Blütephase auch die Blüten selbst.
So erkennst du Mehltau früh
Der Befall läuft fast immer in derselben Reihenfolge ab:
- zunächst dünnes, weißes Pilzgeflecht auf der Blattoberseite, nur aus dem richtigen Winkel sichtbar
- daraus werden runde, scharf abgegrenzte weiße Flecken, die einzelnen Kolonien
- mit einsetzender Sporenbildung wirkt die Fläche pudrig, wie mit Mehl bestaubt
- die Flecken laufen zusammen, das Blatt vergilbt an den Rändern und stirbt bei starkem Befall ab
Warum Mehltau entsteht
Mehltau ist ein Klima- und Hygieneproblem. Die Sporen entstehen in Ketten an sogenannten Konidienträgern, werden an die Luft abgegeben und können so große Strecken zurücklegen. Ein Grow bleibt selten lange die einzige befallene Stelle. Der zweite Eintragsweg ist die vegetative Vermehrung: über befallene Stecklinge wandert der Pilz direkt in den nächsten Durchgang.
Was die Etablierung bremst, ist in der Übersichtsarbeit klar benannt: niedrigere relative Luftfeuchtigkeit und bessere Luftzirkulation im Innenraum. Dichte Bestände mit Blatt-an-Blatt-Kontakt und stehender, feuchter Luft sind das Gegenteil davon.
Dazu kommt die Genetik: In einem Sortenscreening zeigten vier von zwölf geprüften Sorten Resistenz gegen Mehltau. Eine robuste Sorte ersetzt kein Klimamanagement, verschafft dir aber Zeit.
Mehltau bekämpfen: Schritt für Schritt
- Befallene Blätter entfernen und vernichten: abnehmen, direkt in einen Beutel und raus aus dem Raum, nicht kompostieren.
- Klima korrigieren: Luftfeuchtigkeit senken, Luftbewegung erhöhen, Abstand zwischen den Pflanzen schaffen.
- Sauberes Ausgangsmaterial: nur krankheitsfreie Stecklinge einbringen, Werkzeug und Flächen reinigen, sonst trägst du Sporen selbst von Pflanze zu Pflanze.
- Gezielt behandeln: Geprüft und wirksam sind unter anderem verdampfter Schwefel, wöchentliche Spritzungen mit Kaliumbicarbonat, das Bakterium Bacillus subtilis (Stamm QST 713), das in der Wirkung dem Kaliumbicarbonat ebenbürtig ist, sowie ein Pflanzenextrakt aus Japanischem Staudenknöterich. Alles wirkt vorbeugend und bei wiederholter Anwendung am besten, nicht als Rettung eines etablierten Befalls.
- UV-C als Ausbau für Fortgeschrittene: täglich 3 bis 5 Sekunden Bestrahlung des Laubs mit 3 bis 6 mJ/cm² über 28 Tage senkte den Befall in Versuchen deutlich.
- Ehrlich bleiben in der Blüte: Sichtbar befallene Buds lassen sich nicht mehr retten. Hier geht es darum, den Rest des Bestands zu schützen.
Vorbeugen ist der einzige entspannte Weg
- Luftfeuchtigkeit im Blick behalten, besonders nachts und in der späten Blüte
- ständige, sanfte Luftbewegung durch die Krone statt stehender Luft
- Abstand zwischen den Pflanzen, kein Blatt-an-Blatt-Kontakt
- nur saubere Stecklinge und Mutterpflanzen in den Raum lassen
- Growbox, Werkzeuge und Töpfe zwischen den Läufen reinigen
- bei wiederkehrenden Problemen eine weniger anfällige Sorte wählen
Gesunde Pflanzen sind robuster
Mehltau bekämpfst du über Klima und Hygiene, nicht über den Dünger. Eine stabile, nicht überzogene Nährstoffversorgung sorgt aber dafür, dass die Pflanze Stress besser wegsteckt. Unser Dreikomponenten-Set deckt die Grundversorgung ab: Grow liefert Calciumnitrat und Magnesiumnitrat, also CalMag und Nitrat-Stickstoff, Bloom den Phosphor- und Kaliumanteil für die Blüte, Micro die chelatierten Spurenelemente. Mehr Dünger macht keine Pflanze mehltaufrei und endet schnell in einer Überdüngung, ein ausgewogen versorgter Bestand ist aber die bessere Ausgangslage.
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Wissenschaftlicher Hintergrund
Die Bestandsaufnahme kanadischer Produktionsanlagen zeigt Mehltau als wichtigsten Erreger am Laub, mit Sporen bis auf die Harzdrüsen der Blütenblätter. Die aktuelle Übersicht zu Cannabiskrankheiten nennt als wirksamste Strategie die Kombination aus niedriger Luftfeuchte, guter Luftzirkulation, sauberem Ausgangsmaterial, früher Behandlung und Sortenwahl.
Punja, Z.K., Collyer, D., Scott, C., Lung, S., Holmes, J. & Sutton, D. (2019): Pathogens and Molds Affecting Production and Quality of Cannabis sativa L. Frontiers in Plant Science 10, 1120. doi.org/10.3389/fpls.2019.01120 (CC BY 4.0).
Punja, Z.K. (2021): Emerging diseases of Cannabis sativa and sustainable management. Pest Management Science 77(9), 3857-3870. doi.org/10.1002/ps.6307 (CC BY 3.0).

