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Cannabis Überdüngung erkennen und beheben

Cannabis Überdüngung erkennen und beheben

„Mehr Dünger = mehr Ertrag" ist einer der teuersten Irrtümer im Grow. Überdüngung – auch Nährstoffbrand genannt – schädigt die Wurzeln, verbrennt die Blätter und kann am Ende sogar einen Mangel auslösen, obwohl reichlich Nährstoffe vorhanden sind. In diesem Guide zeigen wir dir, wie du Überdüngung von echtem Mangel und von Übergießen unterscheidest, warum der EC-Wert der entscheidende Test ist und wie du gezielt gegensteuerst.

Was bei Überdüngung passiert

Zu viel Dünger heißt zu viele gelöste Salze im Substrat. Der EC-Wert (die Salzkonzentration) steigt, und mit ihm der osmotische Druck an den Wurzeln. Ab einem gewissen Punkt kann die Wurzel nicht mehr richtig Wasser und Nährstoffe aufnehmen – und die Pflanze zeigt paradoxerweise Mangelsymptome trotz Nährstoffüberschuss. Genau das macht die Diagnose so tückisch.

So erkennst du Überdüngung

  • Verbrannte Blattspitzen zuerst: Die Spitzen werden gelb, dann braun und trocken (tip burn), bevor sich der Schaden an den Rändern nach innen zieht.
  • Dunkelgrüne, übermäßig üppige Blätter, teils glänzend-ledrig – ein Zeichen für zu viel Stickstoff.
  • „Krallen" (the claw): Die Blattspitzen krümmen sich nach unten.
  • Verbrannte, gezackte Ränder, im Extremfall abfallende Blätter und Wachstumsstopp.
Der entscheidende Unterschied: Überdüngte Blätter sind dunkelgrün und kräftig mit verbrannten Spitzen/Rändern und hohem EC. Mangel-Blätter sind blass oder vergilbt bei normalem bis niedrigem EC. Im Zweifel entscheidet die Messung: hoher EC im Ablaufwasser = Überdüngung.

Warum die Symptom-allein-Diagnose trügt

Dass ein Zuviel einem Mangel ähneln kann, ist auch wissenschaftlich dokumentiert: In kontrollierten Versuchen mit Bor- und Mangan-Überschuss entwickelten Cannabispflanzen eine randliche Vergilbung der unteren Blätter, die nach innen zur Mittelrippe wanderte und nekrotisch wurde – bis hin zum Blattfall. Optisch ist das von einem Mangel kaum zu trennen. Deshalb sollte man nie allein nach dem Blattbild dosieren, sondern EC, pH und Gießverhalten mit einbeziehen.

Nicht mit Übergießen verwechseln

Auch Staunässe und Wurzelfäule sehen nach Mangel aus: hängende, vergilbende Blätter, weil die geschädigten Wurzeln nichts mehr aufnehmen. Bevor du also an der Düngermenge drehst, prüfe dein Gießverhalten – zu häufiges Gießen ist eine ebenso häufige Ursache wie zu viel Dünger, und beide sind schwerer zu beheben als ein simpler Mangel.

Was du jetzt tun kannst

  1. EC messen: Den EC-Wert des Ablaufwassers bestimmen und mit dem Zielbereich für deine Phase und dein Substrat vergleichen.
  2. Spülen (flushen): Mit pH-korrektem Wasser durchspülen, bis der EC wieder im Zielbereich liegt – so wäschst du überschüssige Salze aus.
  3. Antrocknen lassen: Bei Verdacht auf Staunässe das Substrat vor dem nächsten Gießen abtrocknen lassen.
  4. Reduziert weiterfahren: Danach mit geringerer, an Phase und Wasserhärte angepasster Dosis düngen – berechnet mit dem Nährstoffrechner statt nach Gefühl.
Die faire Wahrheit: Weniger ist beim Düngen oft mehr. Überdüngung kostet dich genauso Ertrag wie ein Mangel – nur dass sie leichter zu vermeiden ist. Halte dich an EC-Zielwerte und die empfohlene Dosis, dann brauchst du dieses Kapitel im Idealfall nie.

Ist der Schaden umgekehrt gelagert – also ein echtes Defizit – hilft dir der Nährstoffmangel-Überblick bei der Einordnung. Und die Werkzeuge, um beide Extreme zu vermeiden, sind der Nährstoffrechner und ein sauberer Düngeplan.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Ein Überschuss einzelner Nährstoffe erzeugt Blattschäden, die einem Mangel ähneln: Bei Bor- und Mangan-Toxizität zeigten Cannabis-sativa-Pflanzen randliche Vergilbung der unteren Blätter, die sich nekrotisch nach innen ausbreitete; teils fielen betroffene Blätter ab (Cockson et al., 2019). Das unterstreicht, warum eine Diagnose EC- und pH-Messung einbeziehen sollte statt sich allein auf das Blattbild zu verlassen.

Cockson, P.; Landis, H.; Smith, T.; Hicks, K.; Whipker, B.E. (2019): Characterization of Nutrient Disorders of Cannabis sativa. Applied Sciences 9(20), 4432. doi.org/10.3390/app9204432 (CC BY 4.0).

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