Was ist CalMag? Der Guide für Cannabis-Grower
Kaum ein Begriff taucht in Growforen so oft auf wie CalMag. Gelbe Flecken zwischen den Blattadern, braune Ränder an älteren Blättern, ein Wachstumsknick kurz vor der Blüte – und irgendjemand schreibt garantiert "klingt nach CalMag-Mangel". Was steckt dahinter, warum trifft es Cannabis so häufig, und woher weißt du, ob du überhaupt etwas dagegen tun musst?
Was Calcium und Magnesium in der Pflanze eigentlich tun
Calcium stabilisiert die Zellwände und ist an praktisch jedem Transportprozess zwischen den Zellen beteiligt – ohne genug Calcium wird das Gewebe der Pflanze buchstäblich instabiler. Magnesium sitzt im Zentrum des Chlorophyll-Moleküls und ist damit direkt an der Photosynthese beteiligt. Fehlt Magnesium, kann die Pflanze weniger Licht in Energie umwandeln, selbst wenn alle anderen Bedingungen stimmen.
Cannabis hat dabei einen überdurchschnittlich hohen Bedarf an beidem, verglichen mit den meisten anderen Nutzpflanzen. Das macht CalMag-Mangel zu einem der häufigsten Probleme überhaupt – nicht weil Cannabis besonders empfindlich wäre, sondern weil der Bedarf schlicht hoch ist.
Warum dein Substrat den größten Unterschied macht
Ob du überhaupt zusätzliches CalMag brauchst, hängt zuerst davon ab, worin du anbaust. Alle drei gängigen Substrate verhalten sich hier unterschiedlich:
| Substrat | Was das für CalMag bedeutet | |
|---|---|---|
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Erde | Der Boden wirkt als natürlicher Puffer und speichert Nährstoffe über mehrere Tage. Ein leichter Mangel wird meist von selbst ausgeglichen, solange die Erde nicht ausgelaugt ist. Am wenigsten kritisch von allen drei Substraten. |
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Coco | Coco-Fasern binden Calcium von Natur aus stärker, als die Pflanze es wieder herauslösen kann (Kationenaustausch). Wer in Coco anbaut, hat fast automatisch einen erhöhten Ca-Bedarf – das ist keine Ausnahme, sondern die Regel. |
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Hydro | Kein Substrat, kein Puffer. Was nicht in der Nährlösung ist, bekommt die Pflanze auch nicht. Fehler bei der Ca/Mg-Versorgung zeigen sich hier am schnellsten und am deutlichsten. |
Warum dein Leitungswasser mitentscheidet
Das Substrat ist die eine Hälfte der Gleichung – die andere ist dein Gießwasser. Bevor überhaupt Dünger ins Spiel kommt, bringt dein Leitungswasser schon einen Teil des Calciums und Magnesiums mit. Wie viel, hängt von der Wasserhärte deiner Region ab (angegeben in Grad deutscher Härte, °dH).
Deine eigene Wasserhärte findest du in der Regel direkt über die Postleitzahl bei deinem örtlichen Wasserversorger heraus. Als Richtwert für Cannabis gilt: 0–150 mg/l Gesamthärte ist ideal. Liegst du deutlich darüber, lohnt sich ein Blick auf deine Düngestrategie – liegst du deutlich darunter (z. B. bei RO-Wasser), solltest du Ca/Mg aktiv ergänzen.
Woran du CalMag-Mangel erkennst
Die Symptome zeigen sich meist zuerst an älteren, unteren Blättern: bräunliche, punktförmige Flecken deuten auf Calciummangel hin, gelbliche Verfärbungen zwischen den Blattadern (während die Adern selbst grün bleiben) auf Magnesiummangel. Wichtig dabei: Nicht jedes gelbe Blatt ist automatisch CalMag – ein falscher pH-Wert kann optisch fast identisch aussehen, obwohl eigentlich genug Ca/Mg vorhanden wäre. Bevor du nachdüngst, lohnt sich deshalb immer zuerst ein Blick auf den pH-Wert deiner Nährlösung.
Eine ausführlichere Aufschlüsselung der Symptome – inklusive Verwechslungsgefahr mit pH-Sperre und Überdüngung – findest du in unserem Artikel "CalMag-Mangel erkennen".
Bevor du zu einem CalMag-Produkt greifst
Die naheliegende Reaktion auf Mangelsymptome ist meist, sich ein separates CalMag-Produkt zu besorgen. Sinnvoller ist es, erst zu prüfen, was du eigentlich schon mitbringst: Substrat, Wasserhärte, und – falls du bereits ein mineralisches Grundsystem nutzt – was darin schon enthalten ist.
Unser Grow zum Beispiel bezieht seinen Stickstoff unter anderem aus Calciumnitrat. Das heißt: Wer Grow in der Wachstumsphase ohnehin einsetzt, deckt einen guten Teil seines Ca-Bedarfs automatisch mit ab, ohne extra zu dosieren.
Wenn du ohnehin ein vollständiges System für die gesamte Wachstumsphase suchst – also auch Bloom für die Blüte und Micro für die Spurenelemente – ist das 3-Part Set der einfachste und günstigste Einstieg, statt jede Komponente einzeln zusammenzustellen.
Fazit
Bevor du zu einem CalMag-Zusatzprodukt greifst: Prüfe dein Substrat, prüfe deine Wasserhärte, prüfe deinen pH-Wert. In Erde brauchst du meist gar nichts extra, in Coco und Hydro lohnt sich ein genauerer Blick. Und wenn du bereits ein gutes Grundsystem fährst, ist zusätzliches CalMag oft nur noch für Sonderfälle nötig – etwa bei reinem RO-Wasser oder besonders Ca-hungrigen Sorten in später Blüte.
Bildquellen dieses Artikels: Llewellyn, D.; Golem, S.; Jones, A.M.P.; Zheng, Y. (2023). "Foliar Symptomology, Nutrient Content, Yield, and Secondary Metabolite Variability of Cannabis Grown Hydroponically with Different Single-Element Nutrient Deficiencies." Plants, 12(3), 422. doi.org/10.3390/plants12030422. Lizenz: CC BY 3.0.
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