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Magnesiummangel bei Cannabis erkennen und beheben

Magnesiummangel bei Cannabis erkennen und beheben

Gelbe Flächen zwischen sattgrünen Blattadern – dieses Netzmuster an den unteren Blättern ist das Erkennungszeichen für Magnesiummangel. Er sieht harmlos aus, weil die vegetative Pflanze kaum kleiner wird. Genau das ist die Falle: In einer Studie an blühenden Cannabispflanzen blieb das Blattwachstum fast normal, der Blütenertrag lag aber rund 30 % unter der voll versorgten Kontrolle. In diesem Guide zeigen wir dir, wie du Magnesiummangel sicher erkennst, ihn vom sehr ähnlich aussehenden Eisenmangel unterscheidest und gezielt behebst.

Was Magnesium in der Pflanze macht

Magnesium sitzt im Zentrum jedes Chlorophyll-Moleküls – ohne Mg kein grüner Farbstoff und damit keine Photosynthese. Zusätzlich ist es an Enzymen der Atmung und am Energietransport beteiligt. Fehlt Magnesium, kann die Pflanze in den betroffenen Blattbereichen kein Chlorophyll mehr halten, und genau dort verschwindet das Grün.

So erkennst du Magnesiummangel

Das Leitsymptom ist die interveinale Chlorose: Die Blattadern bleiben grün, während die Flächen dazwischen vergilben. Es entsteht ein deutliches Netz- oder Fischgrätenmuster. Weil Magnesium ein mobiler Nährstoff ist, verlagert die Pflanze es aus alten in junge Blätter – die Symptome starten deshalb unten und alt.

In kontrollierten Versuchen lief der Verlauf so ab:

  • Beginn: leichte interveinale Aufhellung an den unteren, älteren Blättern – zuerst in den Bereichen zwischen Mittelrippe und Blattrand.
  • Fortschritt: das Muster wird deutlicher, zwischen den Adern entstehen erste abgestorbene (nekrotische) Zonen, meist von der Blattbasis zur Spitze zunehmend.
  • Fortgeschritten: starker Kontrast zwischen grünen Adern und gelben Flächen; ganze Blätter vergilben bis auf Mittelrippe und äußersten Rand.
Magnesiummangel bei Cannabis: interveinale Chlorose, grüne Adern bleiben stehen
Fortschreitende interveinale Chlorose bei Magnesiummangel – die Adern bleiben grün, die Flächen dazwischen vergilben. Bildquelle: Llewellyn et al. (2023), Plants 12(3):422, Fig. 6. Lizenz: CC BY 4.0.

Der wichtigste Unterschied: Magnesium vs. Eisen

Eisenmangel erzeugt dieselbe interveinale Chlorose mit grünen Adern – nur an der falschen Stelle für eine Verwechslung. Die Position entscheidet:

Faustregel: Interveinale Chlorose an den unteren, alten Blättern → Magnesium (mobil). Dasselbe Muster an den oberen, jungen Blättern und Trieben → Eisen (immobil). Wandert der Mangel von unten nach oben, ist es fast immer Magnesium.

Zwei weitere Abgrenzungen:

  • Kaliummangel: Hier vergilben und verbrennen die Blattränder (marginale Nekrose), nicht die Flächen zwischen den Adern. Kein Netzmuster. Details im Kaliummangel-Guide.
  • Stickstoffmangel: gleichmäßiges Vergilben des ganzen Blattes – die Adern bleiben nicht auffällig grün. Bei Magnesium bleiben sie es.

Warum Magnesiummangel gefährlicher ist, als er aussieht

Der Trugschluss beim Magnesiummangel: Die Pflanze wächst optisch weiter, also scheint alles okay. In einer Studie an blühenden Cannabispflanzen war das vegetative Gewicht kaum betroffen – der Blütenertrag lag aber rund 30 % niedriger als bei voll versorgten Kontrollpflanzen. Magnesium scheint für die Blütenbildung überproportional wichtig zu sein. Ein Mangel, den du „laufen lässt", kostet dich also nicht am Blattwerk, sondern am Ertrag.

Echter Mangel oder pH-Sperre?

Bevor du Magnesium nachschießt: Prüfe den pH-Wert des Ablaufwassers. Magnesium kann im Substrat vorhanden und trotzdem nicht aufnehmbar sein, wenn der pH zu niedrig liegt – gerade in Coco und Hydro mit weichem oder Umkehrosmose-Wasser rutscht der pH schnell in einen Bereich, in dem Mg blockiert wird. In diesem Fall hilft kein zusätzlicher Dünger, sondern eine pH-Korrektur.

Zweiter häufiger Auslöser: weiches oder RO-Wasser enthält von Haus aus kaum Magnesium und Calcium. Wer damit gießt, muss beides aktiv zuführen – sonst ist der Mangel programmiert. Und drittens: Ein Überschuss an Kalium oder Calcium kann die Magnesiumaufnahme verdrängen. Mehr ist hier nicht besser.

Was du jetzt tun kannst

  1. pH prüfen (Ablaufwasser) und ins Zielfenster für dein Substrat bringen.
  2. Wasserqualität einordnen: Bei weichem/RO-Wasser Magnesium und Calcium als Basis mitgeben.
  3. Gezielt dosieren statt pauschal aufdrehen – ein Mg-Überschuss verdrängt Calcium und Kalium. Die passende Menge nach Substrat und Wasserhärte rechnest du mit unserem Nährstoffrechner aus.
  4. Erwartung setzen: Bereits vergilbte alte Blätter werden nicht wieder grün. Entscheidend ist, dass der Neuaustrieb sattgrün bleibt.
Fehlen Magnesium und Calcium gemeinsam? Bei weichem oder RO-Wasser ist das die Regel, nicht die Ausnahme. Dann ist ein reiner Mg-Zusatz die falsche Antwort – du brauchst beides im richtigen Verhältnis. Wie du diesen kombinierten Mangel erkennst und dosierst, steht im CalMag-Guide und in CalMag-Mangel erkennen.

Woher das Magnesium kommt

In unserem 3-Teile-System liefert Grow das Magnesium – als Magnesiumnitrat. Dadurch führst du gleichzeitig Calcium (aus Calciumnitrat) und Nitrat-Stickstoff zu. Für Grows mit weichem oder RO-Wasser deckt das die Mg-/Ca-Basis ab, ohne dass du separat CalMag fahren musst. Wichtig bleibt: an deine Wasserhärte anpassen statt nach Gefühl dosieren.

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Wissenschaftlicher Hintergrund

In vegetativen Versuchen enthielten magnesiumdefizitäre Pflanzen bei Auftreten der Symptome nur 0,12 % Mg im Blattgewebe gegenüber 0,61 % bei voll versorgten Kontrollen – bei nahezu unverändertem Blattgewicht (Cockson et al., 2019). In einer Hydrokultur-Studie an blühenden Pflanzen blieb das vegetative Wachstum ebenfalls weitgehend erhalten, der Blütenertrag lag jedoch rund 30 % unter der Kontrolle (Llewellyn et al., 2023). Beide Studien bestätigen die interveinale Chlorose der älteren Blätter als typisches Erkennungszeichen.

Cockson, P. et al. (2019): Characterization of Nutrient Disorders of Cannabis sativa. Applied Sciences 9(20), 4432. doi.org/10.3390/app9204432 (CC BY 4.0).
Llewellyn, D. et al. (2023): Foliar Symptomology, Nutrient Content, Yield, and Secondary Metabolite Variability of Cannabis Grown Hydroponically with Different Single-Element Nutrient Deficiencies. Plants 12(3), 422. doi.org/10.3390/plants12030422 (CC BY 4.0).

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